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Book & Claim für Frachtemissionen: Ein Leitfaden für Logistikunternehmen

Die meisten Logistikunternehmen stehen vor demselben Dilemma: Kunden und Regulierung fordern nachweislich grüne Transporte, während die dafür nötigen alternativen Kraftstoffe und Elektro-Lkw teuer, regional ungleich verfügbar und nur langsam skalierbar bleiben. Dieser Leitfaden erklärt, wie Book & Claim es Frachtführern, Spediteuren und Logistikdienstleistern ermöglicht, den Einkauf emissionsarmer Transportkapazität von der physischen Transportroute zu entkoppeln, sodass eine Investition an einem Ort durch Kundennachfrage an beliebiger Stelle im Netzwerk refinanziert werden kann, und wie shipzero Book & Claim im Einklang mit dem Market-based Measures Framework des Smart Freight Centre und ISO 14083 umsetzt.

Die wichtigsten Fakten

  • Der Frachttransport verursacht rund 11 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, wobei der Straßenverkehr den größten Anteil hat (International Transport Forum, ITF Transport Outlook 2023).
  • Die weltweite Nachfrage nach Gütern wird bis 2050 voraussichtlich mehr als doppelt so hoch sein wie 2015, während die Branche ihre Emissionen im selben Zeitraum um 80 Prozent senken muss, um die internationalen Klimaziele zu erreichen.
  • Von den rund 800.000 in Deutschland zugelassenen Lkw mit mindestens 7,5 Tonnen sind nur etwa 0,07 Prozent rein elektrisch; laut einer Studie von strategy&/PwC werden Elektro-Lkw den Diesel voraussichtlich erst ab 2030 verdrängen.
  • Mit Book & Claim kann ein Frachtführer oder Logistikdienstleister, der an einem Standort emissionsarmen Kraftstoff oder Elektroantrieb einsetzt, die daraus resultierende CO2e-Reduktion an einen Kunden an anderer Stelle im Netzwerk verkaufen und die Investition so refinanzieren, statt sie als Zusatzkosten zu tragen.
  • Eine vollständige Book & Claim-Lösung stützt sich auf drei Bausteine: ein Zertifizierungssystem für die Nachhaltigkeit von Kraftstoffen, ein Ledger und ein Accounting System, jeweils unabhängig geprüft.

Für wen dieser Leitfaden ist

Dieser Leitfaden richtet sich in erster Linie an Frachtführer, Spediteure und Logistikdienstleister, die eine Investition in nachhaltige Kraftstoffe oder elektrische Flotten in ein verkaufbares Produkt verwandeln möchten statt in einen reinen Kostenfaktor. Für Frachteinkäufer, die das „Book & Claim“-Angebot eines Anbieters bewerten, zeigt er, welchen Verifizierungsstandard sie erwarten können.

Warum Logistikunternehmen jetzt auf Book & Claim setzen

Alternative Kraftstoffe bleiben kurzfristig die naheliegende Antwort, solange die Infrastruktur für Elektro-Lkw noch im Aufbau ist, sind aber teuer und regional begrenzt verfügbar: HVO100 kostet in Deutschland weiterhin zehn bis zwanzig Cent mehr pro Liter als herkömmlicher Diesel, und Elektro-Lkw werden den Diesel voraussichtlich erst ab 2030 verdrängen. Für Logistikunternehmen ergibt sich daraus ein klares Refinanzierungsproblem: Investitionen in nachhaltige Kraftstoffe und die Elektrifizierung der Flotte sind heute ein Zusatzaufwand. Die Kunden, die für das Ergebnis zahlen würden, sind nicht immer dieselben, die die Nachfrage erzeugen. Genau diese Lücke soll Book & Claim schließen.

Wie Book & Claim den Einkauf grüner Kapazität von der physischen Route entkoppelt

In der Praxis bedeutet das: Ein Logistikdienstleister, der an einem Standort günstig und effizient alternative Kraftstoffe einsetzen kann, „bucht“ ein Emissionsguthaben und verkauft es anschließend an einen Kunden an einem anderen Standort, der es „beansprucht“ und damit eine Reduktion seiner indirekten Transportemissionen mit einem Zertifikat für die eigenen Klimaziele nachweisen kann. Das Modell funktioniert zwischen Logistikunternehmen mit gemeinsamer Transportaktivität oder Lieferantenbeziehungen. Buchung und Claim bleiben innerhalb desselben Verkehrsträgers, Straße, Luft oder See.

Damit wird das Ungleichgewicht zwischen dem Angebot emissionsarmer Kraftstoffe und dem Ort der tatsächlichen Nachfrage direkt adressiert: Der Nutzen der eigenen CO2e-Reduktion eines Frachtführers wird dort verkauft und eingelöst, wo die Nachfrage entsteht, nicht nur an den wenigen Standorten mit Zugang zu nachhaltigen Kraftstoffen. Die Erlöse fließen zurück ins Unternehmen und helfen, die Transformationskosten zu refinanzieren. Eine verwandte Struktur, Bulk Agreements, erlaubt es einem Frachteinkäufer, über einen festgelegten Zeitraum ein strategisches Reduktionsziel zu buchen. Der Frachtführer oder Logistikdienstleister legt dafür einen Preis pro Tonne CO2e fest, und das Geschäft wird am Ende jedes Quartals beansprucht und ausgewiesen.

Warum Logistikunternehmen Book & Claim nutzen sollten

Book & Claim nützt mehreren Akteuren der Lieferkette gleichzeitig, da es die Abhängigkeit von lokal begrenztem Angebot alternativer Kraftstoffe aufhebt und es Frachtführern, Spediteuren und anderen Logistikdienstleistern erleichtert, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen:

  • Ein Frachtführer, der nachweislich grüne Transportdienstleistungen anbieten möchte, kann einen nicht-fossilen Kraftstoff wie HVO100 einsetzen. Kunden zahlen dafür einen Aufpreis von bis zu 20 Prozent und können im Gegenzug bis zu 90 Prozent geringere Emissionen ausweisen; weitere Kombinationen sind möglich.
  • Ein Spediteur kann emissionsarme Transportleistungen von einem Frachtführer einkaufen und die daraus entstehenden Einsparungen im eigenen Logistiknetzwerk weiterverkaufen – auch an Frachteinkäufer, die für eine Reduktion ihrer Scope-3-Emissionen einen Aufpreis zahlen.
  • Frachteinkäufer können CO2e-Reduktionen in ihrer Lieferkette verifizieren, auditsicher nachverfolgen und in ihr Transport- und Logistikemissions-Reporting einfließen lassen.

Neue Geschäftspotenziale für Frachtführer, Spediteure und Logistikdienstleister

  • Refinanzierung von Investitionen in alternative Transportlösungen, abgesichert durch Book & Claim-Kundennachfrage
  • Differenzierung im Wettbewerb, da Frachteinkäufer strikte Dekarbonisierungsziele verfolgen und nach konkreten Lösungen in ihrem eigenen Zuliefernetzwerk suchen
  • Mehr Chancen in Ausschreibungsprozessen, in denen konkrete CO2-Angebote für langfristig denkende Transporteinkäufer zunehmend den Unterschied machen
  • Neue, alternative Produktangebote, da nativ grüne Transportdienstleistungen auf Basis alternativer Antriebe erst seit kurzem wirklich nachweisbar sind und die Nachfrage mit strenger werdenden Klimazielen der Frachteinkäufer weiter steigen dürfte
  • Flexibler, kosteneffizienter Zugang unabhängig vom Standort: Der Nutzen lässt sich dort einsetzen, wo er für den Frachtführer kosteneffizient entsteht, nicht nur dort, wo er physisch verfügbar ist.
  • Bündelung zahlungsbereiter Nachfrage aus strategischen Budgets, etwa in der Automobil-, Mode-, FMCG- oder Lebensmittelbranche, was Anbietern eine stabile Grundlage für langfristige Investitionsentscheidungen verschafft

Was Logistikunternehmen vor der Einführung von Book & Claim benötigen

Die Einführung von Book & Claim erfordert ein mehrstufiges System, das genau dokumentiert, wo der alternative Kraftstoff ursprünglich hergestellt und wo er getankt wurde sowie welche Produktspezifika er aufweist. Nur so lassen sich CO2e-Reduktionen durch nachhaltige Kraftstoffe oder batterieelektrische Antriebe zuverlässig berechnen. Drei Nachweiskategorien sind erforderlich: Nachhaltigkeits- oder Kraftstoffzertifikate vom Lieferanten, Belege zum Volumen des eingekauften Kraftstoffs innerhalb eines festgelegten Zeitfensters sowie Energiewerte aus den Produktspezifika, zusätzlich zur Dokumentation jeder Sendung und des genutzten Verkehrsträgers innerhalb des Zeitraums eines Booking-Events.

Eine vollständige Lösung stützt sich auf drei Bausteine: ein Zertifizierungssystem für die Kraftstoffnachhaltigkeit (zum Beispiel ISCC- oder RSB-Zertifikate), ein Ledger und ein Accounting System, die im nächsten Abschnitt erläutert werden.

Ledger und Accounting aus einer Hand

Die Komplexität eines „Book & Claim“-Systems erfordert sauber strukturierte Prozesse, da Buchungen nach ihrer Aktivierung nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Typischerweise stellt ein Ledger Zertifikate über die Gesamtsumme der reduzierten Emissionen aus, während die korrekte Zuordnung für das CO2-Reporting, das Carbon Accounting, in der Verantwortung des jeweiligen Kunden bleibt.

Ein Ledger muss die Vollständigkeit der Eingabedaten sicherstellen, den Kauf- und Nachhaltigkeitsnachweis des Kraftstoffs nachvollziehbar machen, eine maximale Buchungsgültigkeit von zwölf Monaten einhalten und Doppelzählungen verhindern. Ein Accounting System wiederum muss die vollständigen Transportemissionen auf Sendungsebene berechnen, Reduktionen einzelnen Kunden oder Transportkategorien zuordnen, ISO-14083-Konformität sicherstellen und Claims öffentlich nachprüfbar machen, gemäß den sendungsspezifischen Regeln des Market-based Measures Framework des Smart Freight Centre. So können Logistikunternehmen auf einen Full-Service-Anbieter ohne Interessenkonflikt vertrauen, der weder Transportdienstleistungen vermittelt noch selbst mit Kraftstoffen oder Gütern handelt.

Wie Book & Claim mit shipzero funktioniert

Als akkreditierte Drittpartei ermöglicht shipzero Logistikunternehmen, den „Book & Claim“-Prozess unabhängig zu steuern und zu überwachen, während Kunden erfolgreiche CO2e-Reduktionen in ihrer Lieferkette transparent nachverfolgen und nachweisen können. Vereinfacht läuft der Prozess in sechs Schritten ab: Kunden übermitteln die oben beschriebenen Nachweise an shipzero, etwa über die webbasierte Plattform; shipzero führt automatisierte Prüfungen durch und berechnet das fossile Vergleichsprofil gegenüber den tatsächlichen, attributspezifischen Emissionen, zum Beispiel den Unterschied zwischen HVO100 und einem konventionellen Diesel-Mix (B7); shipzero hinterlegt das Booking Event nach erfolgter Prüfung; eingeloggte Kunden filtern nach Verkehrsträger, Transportabschnitt und Kraftstofftyp, um die Auswirkung auf die eigene CO2e-Reduktion zu sehen; der Claim wird ausgeführt und die Reduktion Kunden, Sendungen oder anderen Dimensionen zugeordnet; und das bestätigte Claim Statement wird mit einer eindeutigen ID auf der shipzero-Website veröffentlicht.

Warum shipzero für Book & Claim

shipzero ist Partner des Smart Freight Centre. Die „Book & Claim“-Methodik, basierend auf dem Market-based Measures Framework des SFC, wird jährlich von einem externen Auditor geprüft. shipzero vermittelt weder Transportdienstleistungen noch handelt das Unternehmen mit erneuerbaren Kraftstoffen oder Transportgütern, was die Unabhängigkeit der Emissionszertifikate sicherstellt, und gibt ausschließlich die berechneten Emissionen für einen bestimmten Transport oder eine Sendung weiter, nie die zugrunde liegenden Rohdaten.

shipzero ist akkreditiert durch das Smart Freight Centre, orientiert sich am GLEC Framework V3, erfüllt die Anforderungen von ISO 14083:2023 für Primär- und modellierte Daten, ist nach ISO 27001 für Informationssicherheit zertifiziert und hostet Daten gemäß DSGVO bei Microsoft Azure in Deutschland.

Was das vollständige Whitepaper zusätzlich bietet

Das vollständige Whitepaper enthält das detaillierte Datenmodell hinter Kraftstoff- und Transportcharakteristika, eine Schritt-für-Schritt-Darstellung einer „Book & Claim“-Transaktion mit Screenshots aus der shipzero-Plattform sowie die vollständige Quellenliste zu jeder hier genannten Zahl, vom ITF Transport Outlook bis zum Market-based Measures Framework des Smart Freight Centre.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Book & Claim für Frachtemissionen?

Book & Claim ermöglicht es Logistikunternehmen, CO2e-Reduktionen, etwa aus dem Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe, unabhängig von der physischen Transportroute weiterzuverkaufen. Eine an einem Ort günstig erzielte Reduktion wird „gebucht“, und ein Kunde an anderer Stelle im Netzwerk „beansprucht“ sie mit einem Zertifikat für das eigene Klimareporting.

Warum setzen Logistikunternehmen jetzt auf Book & Claim?

Alternative Kraftstoffe und Elektro-Lkw bleiben teuer, regional begrenzt verfügbar und nur langsam skalierbar, während Kunden und Regulierung den Druck für nachweislich emissionsarmen Transport erhöhen. Book & Claim schließt diese Lücke, indem Nachfrage an beliebiger Stelle im Netzwerk das Angebot dort refinanziert, wo es am günstigsten entsteht.

Welches neue Geschäftspotenzial schafft Book & Claim für Logistikunternehmen?

Refinanzierung von Investitionen in alternative Kraftstoffe und Elektrifizierung, Differenzierung im Wettbewerb, Vorteile in Ausschreibungsprozessen, neue Produktangebote für Frachteinkäufer sowie Zugang zu gebündelten strategischen Dekarbonisierungs-Budgets in Branchen wie Automobil, Mode, FMCG oder Lebensmittel.

Was benötigen Logistikunternehmen, bevor sie Book & Claim einführen können?

Ein mehrstufiges System, das dokumentiert, wo ein alternativer Kraftstoff hergestellt und getankt wurde und welche Produktspezifika er aufweist, gestützt auf Nachhaltigkeitszertifikate, Einkaufsvolumen-Nachweise und Energiewerte sowie ein Zertifizierungssystem, ein Ledger und ein Accounting System.

Wie funktionieren Ledger und Accounting in einem "Book & Claim"-System?

Ein Ledger erfasst und prüft Kraftstoff- und Transportdaten, verhindert Doppelzählungen und überwacht eine zwölfmonatige Buchungsgültigkeit. Ein Accounting System berechnet und ordnet CO2e-Reduktionen auf Sendungsebene gemäß dem Market-based Measures Framework des Smart Freight Centre zu und hält das Ergebnis ISO-14083-konform und öffentlich nachprüfbar.

Wie funktioniert Book & Claim konkret mit shipzero?

Kunden übermitteln Kraftstoff- und Transportnachweise an shipzero, das die Daten prüft, Basis- und tatsächliche Emissionen berechnet, das Booking Event hinterlegt und den Claim ausführt. Das daraus entstehende Claim Statement ist über eine eindeutige ID öffentlich einsehbar, und die Methodik wird jährlich von externen Auditoren gegen das Market-based Measures Framework der SFC geprüft.

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Über dieses Whitepaper

Veröffentlicht von shipzero, Hamburg. Deutsch.

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